Brautkleid Making-Of und welche Tipps für die Arbeit mit Seide tatsächlich wichtig sind

Heute gebe ich einen Einblick in den Entstehungsprozess meines Bautkleides mit seinen Höhen und Tiefen und den Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe. Trotz der Schwierigkeiten beim Nähen und der Fehler, die dabei glattgebügelt werden mussten, bin ich doch zu einem Ergebnis gelangt, mit dem ich zufrieden bin und habe meine Hochzeit im selbstgenähten Brautkleid feiern können. Allen, die sich bisher nicht an Seide herangetraut haben, kann ich Mut machen.  Hier ist mein kleines Nähtagebuch.

15.05.2017 – Brautkleid Tag 1 – Sprung über meinen Schatten und der obligatorische Nähfehler

Endlich ist es geschafft. Ich habe angefangen mit dem eigentlichen Kleid. Ich hatte großen Bammel, die Seide tatsächlich anzuschneiden, habe es immer weiter herausgeschoben, mich noch besser vorbereitet, gleichzeitig bin ich immer nervöser geworden und unzufriedener, dass es nicht vorangeht. Für diese Woche stand es fest auf meinem Plan und ich bin furchtbar erleichtert. Als ich nach den ersten Nähproben feststellte, dass sich die ausgewählte Seide ganz wunderbar verarbeiten lässt, ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen. So viel hatte ich gelesen darüber, dass Seide wirklich besondere Behandlung benötigt und etliche Tipps und Empfehlungen zur Verarbeitung haben mich verunsichert. Vielleicht habe ich auch eine vergleichsweise „einfache“ Seide ausgewählt – zumindest klappt es ganz gut.

Da hat es mir auch tatsächlich gar nicht so sehr zugesetzt, dass alle meine heutige Näharbeit für die Katz war, weil ich die französischen Nähte versemmelt habe und das genähte Teil dadurch zu eng wurde. Egal, mach ich es halt noch mal – Hauptsache, es kommt überhaupt am Ende das heraus, was ich mir vorstelle. Das gehört wohl bei uns allen mal dazu.

Für alle, denen es ähnlich geht, wie es mir bis heute morgen ging: Probiert es aus, traut euch an die Seide, Tipps sind gut, aber lasst euch nicht verunsichern. Seide ist unheimlich haptisch, wunderschön und vielseitig.

Tatsächlich hilfreich fand ich diese Nähtipps:

  • Sorgfältige Vorbereitung und genug Zeit.
  • Schnittmusterteile inkl. Nahtzugabe vorbereiten – so ist sichergestellt, dass alle zugeschnittenen Teile eine gleichmäßige Nahtzugabe haben.
  • Zick-Zack-Schneider bzw. -Schere vermeidet Ausfransen der Kanten.
  • Scharfe Microtex-Nadel verwenden und regelmäßig wechseln.
  • Beim Nähen habe ich jeweils Seidenpapier untergelegt, um die Seide zu stabilisieren und zu schonen.
  • Mit französischer Naht arbeiten (dafür ist eine größere Nahtzugabe nötig) und das wirklich sorgfältig mit Bügeln zwischendurch und so.DSCF4208blog

16.05.2017 – Brautkleid Tag 2 – Beginn einer wechselhaft emotionalen Freundschaft

Heute sind die inneren zwei Lagen für das dreilagige Oberteil entstanden. Viel Fummelarbeit an den Armausschnitten mit einem nicht ganz zufriedenstellenden Ergebnis, aber so wird es jetzt bleiben. Da die unschön gewordenen Stellen innen im Kleid liegen, versuche ich mal, meinen Perfektionismus an dieser Stelle zu ignorieren. Wie das immer so ist, fiel mir nach Beendigung des Nähtages ein, dass ich die Armausschnitte viel einfacher und schöner miteinander hätte verstürzen können statt sie so aufwändig mit einem Schrägband zu versäubern. Aber gut – der Lernprozess zählt ja schließlich auch!

Alles in allem beende ich auch heute zufrieden meine Arbeit. Die Seide und ich freunden uns allmählich an! 🙂

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23.05.2017 – Brautkleid Tag 3 – Ausschnitt, Nähfehler und Lernprozess

Das Oberteil ist heute fertig geworden. Aber zufrieden bin ich nicht. Diese Brautkleid-Näherei ist wirklich eine hoch emotionale Sache und das mit den größtmöglichen Ausschlägen nach oben und nach unten. Und wieder das gleiche: Kaum ist die Tagesarbeit beendet, fällt mir eine viel bessere Lösung für mein Nähproblem ein, als die, die ich bereits gewählt habe.

Aber mal von vorne: Zunächst habe ich heute ein zweites Mal die äußere Lage für das Kleid genäht, die ja beim ersten Versuch an Tag 1 nichts geworden ist. Das ging jetzt beim zweiten Mal auch schon etwas flotter von der Hand und ich merke, dass ich die Angst vor der Seide verliere.

Der nächste Schritt war, die beiden inneren Lagen mit der äußeren zu verstürzen und den Ausschnitt schön zu formen. Der Ausschnitt ist meiner Ansicht nach mit der zentralste Teil eines Kleidungsstückes und sollte daher schon sehr gut gearbeitet sein.

Hat auch erstmal prima funktioniert. Nur meinen letzten Arbeitsschritt heute, nämlich den Ausschnitt von außen noch einmal abzusteppen – den hätte ich besser sein lassen. So hatte ich mir den Ausschnitt nicht vorgestellt. Hier zeigt sich, dass Seide eben doch einer anderen Verarbeitung bedarf als andere Stoffe. Aber wie schon erwähnt fiel mir in meiner Niedergeschlagenheit nach Verlassen des Nähtisches dann doch eine bessere Lösung ein und ich denke, da sind noch Korrekturen möglich.

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06.06.2017 – Brautkleid Tag 4 – Mein erster Meilenstein ist erreicht

Das Oberteil ist heute wieder fertig geworden. Und ich bin zufrieden. Endlich beende ich einen Arbeitstag am Brautkleid wirklich zufrieden! Die Korrektur hat etwas Zeit in Anspruch genommen, aber die Mühe war es definitiv wert.

Ich habe begonnen, indem ich die Naht, mit der ich den Ausschnitt von außen abgesteppt habe, gaaanz, gaaanz vorsichtig wieder aufgetrennt habe. Da das dennoch nicht ganz spurlos geht auf der empfindlichen Seide, habe ich von links die Sturznaht mit einer etwas größeren Nahtzugabe erneuert, sodass die alte Absteppnaht darunter verschwindet. Glücklicherweise ist der gewählte Schnitt hier ein wenig tolerant. Nahtzugaben zurückschneiden, an den Rundungen vorsichtig einschneiden.

An sich hatte ich vor, die inneren Lagen auf der Nahtzugabe festzusteppen für etwas mehr Stabilität, aber letztendlich habe ich mich doch dafür entschieden, nur die inneren Lagen sorgfältig zu bügeln und so den Ausschnitt auszuformen. Die äußere Lage des Oberteils behält dadurch die schöne Leichtigkeit und Luftigkeit. SO gefällt es mir. 🙂

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13.06.2017 – Brautkleid Tag 5 – Herausforderung für meine Geduld und Sorgfalt

Heute habe ich den Nähtag damit verbracht, bei allen Schnittteilen für das Rockteil jeweils die drei Stofflagen aufeinander zu heften, da sie im Rockteil wie eine Lage verarbeitet werden sollen. Das hat echt viel Zeit in Anspruch genommen und war einfach eine öde Fleißarbeit. So langsam werde ich ungeduldig und möchte zum Ende kommen mit dem Projekt Brautkleid. Ich bin einfach nicht der Typ für sehr langwierige Nähprojekte – ich brauche schnelle Ergebnisse, um bei Motivation zu bleiben.

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16.06.2017 – Brautkleid Tag 6 – Zweiter Meilenstein erreicht

Juhu, heute durfte ich wieder „richtig“ ans Nähen gehen und das Rockteil zusammensetzen. Das ist heute also im Groben fertig geworden und konnte anprobiert werden. Mal wieder fällt mir ein Stein vom Herzen, dass alles passt und sitzt und aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe. Das Nähen selbst war eigentlich problemlos, dadurch dass die einzelnen Lagen der Schnittteile bereits aneinander geheftet waren. Jetzt steigt aber wirklich die Anspannung, wie das Gesamtbild des Kleides sein wird!

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20.06.2017 – Brautkleid Tag 7 – Endlich Zeit für die Anprobe

Eeeeendlich ist es so weit! Heute konnte ich die erste Anprobe mit dem kompletten Kleid machen! Puuuh, was für eine Erleichterung, dass all die Arbeit nicht umsonst war. Ich bin schon jetzt völlig verliebt in mein Kleid. Einzelne Details kann ich noch verbessern und der Rocksaum fehlt noch, aber im Gesamtbild ist es geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Schön leicht, luftig und geschmeidig, an den richtigen Stellen trotzdem figurbetont und natürlich elegant. Die Seide ist wunderbar – sowohl optisch als auch haptisch. Da fühlt man sich selbst schon fast so leicht und unbeschwert, wie die Seide selbst ist… Ich könnte noch lange so weiter schwärmen und kann es noch nicht recht fassen, dass das Kleid nun wirklich (bis auf Details) fertig ist. Ich sagte bereits, dass dieses Brautkleid-Projekt hoch emotional ist?

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18.07.2017 – Brautkleid Tag 8 – Die letzten Details

Die letzten Details am Kleid sind fertig! Es ist geschafft! Jetzt entstehen neue Fragen, z.B. wie man so ein Kleid am besten lagert und verhindert, dass Falten entstehen oder dass Söhnchen Zugriff bekommt.

Folgendes war am Kleid noch zu tun: Ich habe am Keyhole ein kleines Textilknöpfchen angebracht. Der Rock wurde doppelt sehr schmal gesäumt – einmal die äußere Lage und minimal kürzer die beiden inneren Lagen. Und zu guter Letzt habe ich die beiden Seidenblumen genäht und seitlich am Ausschnitt angebracht.

Das Ergebnis habe ich ja bereits stolz in meinem letzten Beitrag präsentiert.

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12 Colours of Handmade Fashion – Blaues Sommershirt aus Leinen

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Selmins Aufruf, diesen Monat etwas Blaues zu nähen, habe ich gerne zum Anlass genommen, auch meine eigene dürftige Sommergarderobe etwas aufzustocken. Blau gehört auch zu meinen liebsten Farben und so konnte ich mir doch diese Gelegenheit in inspirierender Gesellschaft blau zu nähen, nicht entgehen lassen.

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Für den Schnitt habe ich in ganz alten Schnittmusterordnern gewühlt und bin auf diesen vergessenen Shirtschnitt gestoßen. Ich mag den schlichten Schnitt mit kleinen Details.

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Ich habe bei Anita Pavani einen Leinenstoff in einem dunklen Blau ausgewählt. Als der Stoff hier ankam, war ich skeptisch, ob es der richtige Stoff für den Schnitt ist, da er doch recht viel Stand hat. Aber das Ergebnis hat mich vom Gegenteil überzeugt. Ich finde, Schnitt und Stoff passen wunderbar zusammen und der Schnitt kommt durch den Stand des Stoffes nochmal besonders gut zur Geltung.

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Als das Hemd fertig war, fehlte mir noch ein kleines farbiges Detail. Mein Mann hat ja an anderer Stelle bereits seinen Blick für schönes, dezentes Design bewiesen, also habe ich ihn zu Rate gezogen. Nach seiner Empfehlung habe ich dann am Saum die kleinen gelben Details aufgestickt.

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Wie beglückend es doch sein kann, Dinge zu vergessen und irgendwann wiederzufinden! Selmins neue Tipps zu Ordnung im Nähzimmer fand ich zwar sehr inspirierend, aber es hat auch was für sich, nicht immer über alles einen Überblick zu haben! Oder wie geht es euch? 🙂

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Verwendetes Material: Garngefärbter „Blue Lein“ (100% Leinen) von Anita PavaniMaterialkosten: ca. 32 Euro — Arbeitszeit: ca. 2 Stunden — Schnitt: ein eigener

Verlinkt bei: 12 Colours of Handmade Fashion

Gardinen für Kinderzimmer und Schlafzimmer

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Wir wohnen schon über ein Jahr in der neuen Wohnung, aber erst jetzt hat es geklappt, Gardinen anzubringen. Es war auch nicht ganz so dringend – es geht um vier kleine Fenster innerhalb der Wohnung, die bei Bedarf nun abgedunkelt werden können.

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Mein Sohn beschäftigt sich sehr gerne mit Tieren und kann unendlich viele Tierarten auswendig. Daher passte der Canvas mit den Nashörnern und Giraffen einfach richtig gut und erfüllt seinen Zweck an dieser Stelle wirklich gut. An der oberen Kante der Gardinen habe ich als netten Akzent einen grünen Jersey-Streifen eingenäht.

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Für die Schlafzimmerfenster haben wir eine Shantung-Seide in einer wunderschönen Farbe ausgewählt. Die farbige Seide bringt Leichtigkeit ins Schlafzimmer, ist sehr schön anzusehen und anzufassen und ist trotzdem dicht genug, um den Raum etwas abzudunkeln.

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Verwendetes Material: Shantung-Seide (100% Tussah-Seide) in der Farbe „Silberweide“ von Anita Pavani; Canvas „Lasse“ mit Nashörnern und Giraffen; Rest Jersey — Materialkosten: ca. 80 Euro — Arbeitszeit: ca. 2 Stunden

12 Colours of Handmade Fashion – Upcycling Herrenhemd zu Sommerbluse

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Mein Mann hat eines seiner besonders schönen Hemden ausgemustert, das im Laufe der Zeit leider zu stark eingelaufen ist.

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Bei dem kürzlichen Sommerausbruch musste ich einfach alle anderen Nähprojekte stehen und liegen lassen und erstmal dieses Hemd zu einer leichten und luftigen Bluse verarbeiten.

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Der Schnitt stand schnell fest, da ich in letzter Zeit mehrfach mit diesem Schnitt experimentiert habe. Vor allem sind daraus Kleider enstanden, aber von Anfang an wollte ich gerne auch eine Bluse nach dem Schnitt nähen.

Das Nähen ging auch ganz gut vonstatten, nur das Shooting für diese Bluse hat mich halb wahnsinnig gemacht. Beim ersten Versuch haben wir vorher beim Chinesen eine verhängnisvolle Suppe gegessen. Beim zweiten Versuch war das Hemd völlig zerknittert. Beim dritten Versuch waren die Lichtverhältnisse unzulänglich. Beim vierten Versuch hing das quengelnde Kind an meinem Rockzipfel. Entschuldigt bitte, wenn die Fotos verbesserungswürdig sind.

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Der Stoff aus dem Hemd war etwas knapp, sodass ich seitlich noch ein Schnittteil ensetzen musste, was ich aber auch ganz schön finde.

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Das dezente rote Zierband ist ein schöner Kontrast zu dem hellen Stoff und gefällt mir ganz besonders gut.

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Mit meiner Bluse bin ich diesen Monat auch zum ersten Mal bei „12 Colours of Handmade Fashion“ von Tweed&Greet dabei!

Verwendetes Material: Webware aus einem ausgemusterten Herrenhemd — Materialkosten: ca. 3 Euro für das Zierband — Schnitt: Variante des Burda-Modells 107 aus 01/2016 —Arbeitszeit: ca. 2 Stunden

Kuscheljacke

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Diese tolle Kuscheljacke ist mir schon richtig ans Herz gewachsen – seitdem sie fertig ist, ist sie ständig im Einsatz. Eigentlich wollte ich vor allem eine Jacke für die Sofaecke, aber ich finde, dass man sie einfach zu allen Anlässen gut tragen kann – bei der Arbeit, im Restaurant, Kino, Spielplatz…

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Der schöne Stoff hat meines Erachtens also eine absolut würdige Verwendung gefunden. Die Baumwoll-Woll-Kombination trägt sich wirklich sehr angenehm und die aufgerauhte Innenseite ist schön kuschelig.

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Die Jacke ist nach dem Strickjacken-Schnitt „Halja“ von Näähglück entstanden. Allerdings habe ich die vorderen und den unteren Saum „begradigt“ und unten einen breiten Saum angenäht. Zu Beginn hatte ich vor, noch Knöpfe anzubringen, aber ich finde es jetzt ohne schöner.

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Verwendetes Material: Bio-Baumwolle-Wolle-Sweat (65% Wolle, 35% Baumwolle) in schwarz von Lebenskleidung — Materialkosten: ca. 60 Euro — Arbeitszeit: ca. 1 Stunde — Schnitt: Strickjacke „Halja“ von Näähglück